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21. Juni 2012

Ist Paragleiten gefährlich?

Ja. Reden wir nicht drum herum: Respekt ist angebracht.

Es gibt zwar eine Statistik die besagt dass Paragleiten die sicherste Luftsportart ist und dass Motorradfahren viermal so gefährlich ist. Außerdem macht's in der Zeitung jedesmal was her wenn einer im Baum hängt, Verkehrsunfälle müssen dagegen schon besonders spektakulär sein damit sie überhaupt erwähnt werden.



In wenigen anderen Sportarten ist jedoch so viel Eigenverantwortung erforderlich wie beim Gleitschirm- und Drachenfliegen. Gerade weil das Fliegen mit Gleitschirm und Drachen so einfach und praktisch von jedermann zu erlernen ist, sind Besonnenheit und Risikobewusstsein Grundvoraussetzungen für eine sichere Ausübung dieses Sports. Leichtsinn und Selbstüberschätzung können schnell in kritische Situationen führen. 
Quelle: http://www.dhv.de/web/piloteninfos/sicherheit-und-technik/

Der alte Spruch dass das Gefährlichste am Flugsport die Anreise ins Fluggebiet ist scheint zwar subjektiv für mich zu stimmen, denn die bisher einzige Gefahrensituation erlebte ich (und ich klopfe auf Holz während ich das schreibe) bei der Heimfahrt auf der Autobahn (und habe inzwischen - erwartungsgemäß - auch beim Fliegen eine Situation erlebt die ich in Zukunft hoffentlich vermeiden kann). Aber die Statistik sagt etwas anderes, nämlich ein Todesfall pro ca. 100.000 Flüge - und das ist definitiv mehr als beim Autofahren.
Quelle: Sebastian Bender Skript "Flieg - Nur nicht auf die Nase"

Ich werde schätzungsweise 600 Flüge machen können bevor ich zu alt dazu bin (Annahme: 20 Jahre * 30 Flüge). Mit der obigen Zahl rechne ich mir über den Daumen gepeilt eine Wahrscheinlichkeit von 99,4% aus, diesen Sport zu überleben. Damit kann ich leben.Und hoffe, nicht nur ein durchschnittlich sicherheitsbewusster Flieger zu sein.Jedenfalls, wenn ich mir die unten angeführten Links durchlese, bin ich sicher dass ich noch eine Zeit lang beim 1er-Schirm bleiben werde.

Trotzdem: Das Hirn muss dabei sein.

Check: Hirn eingeschaltet?

Bei Unfällen in Deutschland bzw. Unfällen deutscher Piloten gibt es vom DHV minutiöse Unfallberichte mit Analyse und Ursachenforschung. Leider kenne ich so etwas nicht in Österreich. Die Unfallberichte lese ich aufmerksam durch. Damit ich weiß worauf ich aufpassen muss und damit ich nicht zu denen gehöre die in der Zeitung stehen.

Die Erkenntnis dass einem Unfall immer meist (mindestens) ein Fehler  vorangeht suggeriert dass man "nur" alle Fehler vermeiden muss und schon kann nichts passieren. Meine berufliche Tätigkeit führt mir immer wieder vor Augen: Menschen machen Fehler. Ich mache Fehler. Ich werde auch weiterhin Fehler machen.

Wichtig ist vor allem eine realistische Einschätzung des Fluggebietes, der Wettersituation und des eigenen Könnens. Dem Einheimischen fällt es leichter auf einen Flug zu verzichten als dem Urlaubsflieger der seinen Urlaub lange voraus planen und buchen musste. Ich werde auch Urlaubsflieger sein. Daher ist dieser Punkt besonders zu beachten.

Man muss Situationen nicht ausreizen oder, wie der DHV kürzlich so schön geschrieben hat: "Es kommt nicht auf die Länge der Strecke sondern auf die Breite des Grinsers an". 


Wie auch in anderen Sportarten halte ich es auch für eminent wichtig, aus kleinen Hoppala's zu lernen.
  • nicht: "Eh nix passiert, weiter so"  
  • sondern: "Oops, nix passiert, aber das darf nicht mehr vorkommen". 
  • Füll den Erfahrungssack bevor der Glückssack leer ist. 
Beobachtung von Wetterberichten  bereits Tage zuvor, Einholen von Ratschlägen, gewissenhafte Startvorbereitung, nie auf den 5-Punkte-Startcheck verzichten. Im Zweifelsfall den Schirm wieder hinunter tragen (auch wenn das, besonders am Urlaubsort und ganz besonders beim walk & fly, schwer fällt).

Nach meiner bisherigen Erfahrung wird es in der Szene respektiert, auf einen Start zu verzichten. Da gibt es keinen der sagt "Du Weichei".  

There are old pilots and there are bold pilots. 
But there are no old bold pilots.

By the way, wem erzähle ich das jetzt eigentlich?
Mir selbst, in erster Linie.


Links: